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Die Entstehung des Ortes Brosen
Die drei Orte der Gemeinde: Rafeld, Selsen und Brosen, liegen nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich weit auseinander. Sie haben eine
unterschiedliche Struktur, sind zu verschiedenen Zeiten entstanden und haben eine verschiedene Entwicklung genommen. Das Dorf Brosen liegt in einer Höhe von etwa 185 m am Südrand der fruchtbaren Talaue, die sich
südlich des Rafelder Berges zwischen dem Oster- und Westerkalletal in ost-westlicher Richtung erstreckt. In gleicher Richtung fließt am Nordrande des Tales die Lennebeke, die „Rafelder Kalle", der Westerkalle
zu. Sie empfängt nördlich von Brosen in einer Höhe von
165 m den Broser Bach, der in Unterbrosen, dem alten Brokhusen, bei den „Häusern
im Bruche", seinen kurzen Lauf beginnt. Sein Nachbar, der Bungentalbach, kommt aus 280 m Höhe vom Nordrande des Bavenhauser Windmühlenberges, erreicht in
200 m Höhe den Südrand des Dorfes und die Lennebeke kurz vor ihrer Mündung in die Westerkalle. Die südlichen Randhöhen der Broser Gemarkung, der Selser Berg
(278 m), das Eichholz (258 m), die Kuhberge (287 m), der Herberg (291 m) und der Söhlenk (251 m), heute neben Wald und Hude teilweise auch gutes Ackerland, sind in
einer jahrhundertelangen Rodetätigkeit von den Broser Bauern erobert worden.
Brosens bestes Ackerland aber liegt in der Talaue nordwärts des Ortes. Hier, auf
dem Johannfelde, auf der Bülte, auf dem Rade, auf der Schürenbrede, im Raudental und auf dem Bruche lagen bis zur Flurbereinigung (1956-1963) die Äcker der Broser
Bauern Nr. l, 2, 3, 4, 7 und 9 in langen schmalen Streifen nebeneinander. Nur der Hof Nr. l hatte auf dem großen und kleinen Weinberg und auf der Haneiche, der Hof Nr. 2
auf dem Johannfelde und auf der Brede, Hof Nr. 7auf der Selworth große Blockfluren. Die Kolonate Nr. 5, 6, 8 und 10 hatten ihr Land zumeist in größeren Stücken west- und
südwestwärts des Ortes. Auf den südlichen Hängen und Höhen hatten alle zehn Kolonate Land als Acker, Weide und Holzung. Zumeist sind hier größere Kämpe, in
den schmalen Tälern, dem Schellental, Bungental, Wenkental, durch die man fuhr und das Vieh trieb, in langen schmalen Streifen. Teilweise ist auf den Höhen auch
gemeinsam gerodet worden, z. B. von Nr. 2 und 4 auf dem langen Acker, wo schmale Langstreifen mehrfach nebeneinander liegen.
Brosen hieß im Mittelalter Brochusen oder Brokhusen, das Dorf, die Häuser im
Bruche. In seinen Anfängen geht Brosen sicher bis in die altsächsische Zeit zurück, und die Höfe im Unterdorf, Nr. l, 2, 3, 4 und 7, sind wahrscheinlich die älteste Siedlung
hier gewesen. Die Höfe Nr. l und Nr. 7, die nun am weitesten ins ehemalige Bruch vorgeschoben sind, lagen ursprünglich mit den Höfen Nr. 3 und 4 zusammen. Die alte
Hofstatt von Nr. l wurde das Kleinkötterkolonat Nr. 14, Hermann Frevert. „Hat den Hofraum von Fritze Stock gekauft", heißt es im Salbuch von 1721. Die Verlegung wird
also um 1700 erfolgt sein. Frevert wurde allgemein nur „der Althöfer" genannt, und seine Nachkommen haben diesen Namen behalten. Bei der Flurbereinigung wurde
das Kolonat aufgeteilt. - Der Hofplatz von Nr. 7 wurde ein Kamp und heißt noch heute „auf dem alten Hofe". Der Hof Nr. 9 ist in späteren Jahrhunderten von Nr. 7
abgezweigt worden, wie aus Ortsakten und Salbuch 1614 noch ersichtlich ist. Die großen Blockfluren dieser drei Höfe: Weinkämpe, Johannfeld, Brede und Selworth werden die ersten Äcker gewesen sein.
Auch die Kolonate Nr. 3 und 4 besitzen auf dem Johannfelde, in der Schleupe und auf
der Worth größere Ackerstücke. Doch dann haben die fünf oder sechs Kolonate des Unter- und Mitteldorfes die an der Lennebeke und auf dem Rade (= Rodeland)
liegende gemeinsame Hude gerodet und das gewonnene Ackerland verteilt. In dem Maße, wie man in den südlichen Bergen neues Hudeland gewann, konnte man die
Hudegebiete der Talaue unter den Pflug nehmen. Das Land „Auf dem Bruche" ist erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts aufgeteilt worden.
Ob auch die Kolonate Nr. 5 und 6 noch aus sächsischer Zeit stammen, erscheint
ungewiß. Ihre Ländereien haben - nach der Schätzung der Grundsteuermutterrolle von 1883 - nur mittlere Güte. Sie liegen in großen Blockfluren und in sich ziemlich
geschlossen in der westlichen Feldmark. Sie scheinen also einer späteren Siedlungszeit anzugehören. Das Kolonat Nr. 8 ist noch jünger. Die Hofstatt mit einer
Worth liegt am höchsten im Ort, die Ländereien bis auf einige später erworbene Stücke an den Abhängen des Herberges. Kolonat Nr. 10 ist eine Großkötterstätte, die
letzte Hofgründung in Brosen. Das Land liegt bis auf spätere Erwerbungen am Westrande der Gemarkung neben dem Lande von Nr. 8.
Die Schicksale der einzelnen Höfe sind sehr verschieden gewesen. Wie in
Hohenhausen, so liefen auch in Brosen die Besitzrechte und die Interessen der Grundherren nebeneinander her. Das Dorf wird 1362 zuerst genannt, als der lippische
Edelherr Simon III. (1360-1410) die Abgaben der freien Leute verpfändet. Im nächsten Jahre verschenkten Ritter de Wend ein Broser Haus als Witwenrente, 1368
verpfändeten die Wends an die von Post ihren Hörigen Bode to Brokhusen, 1402 verkaufte die Edelfrau Rixe von Dalwig neben vielen anderen Leuten auch „Drudeken
to Brokhusen" mit drei Kindern an die Edelherren zur Lippe. Im Jahre 1411 belehnte der Edelherr Bernhard VI. (1410-1415) den Jordan von Hensentorp mit einem Hofe
und einem Kotten, und den Bertold von Exterde mit einem Haus to Brokhusen. Im Jahre 1422 verkauften die Brüder von der Borg einem Lemgoer Bürger eine Rente
von 4 Schilling aus Klemmen Hofe to Brokhusen, 1445 wird dem Heinrich von Callendorp sein väterliches Erbe zugesprochen, darunter „ein Haus zu Brokhusen,
das Henke der Hegher unterhat". Im Jahre 1501 belehnte Bernhard VII. (1429-1511) den Johann von Hensentrup mit einem Hofe und einem Kotten zu Brokhusen. Das
gleiche Lehen bekam 1502 die Familie v. Kerßenbrok. Im Jahre 1486 belehnte Bernhard VII. den Tönnies von Zerßen mit einem Hofe zu Brokhusen, den vorher die
nun ausgestorbene Familie Holtgreve zu Lehen gehabt hatte. Im Jahre 1465 stellten die Mönche in Möllenbeck ein Verzeichnis der Güter des Klosters auf. Darin heißt es,
daß zwei Höfe und zwei Kotten in Brokhusen Eigentum des Klosters seien. Im Jahre 1544 kaufte Simon de Wend von Jost von Wartensleben Krassepots Hof zu
Brokhusen (Nr. 8). Im Jahre 1552 wurde Stockhenrichs Hof zu Brokhusen ein Lehnsgut der Grafen zur Lippe.
Das sind die Nachrichten, die wir aus der Zeit des Mittelalters über Brosen und seine
Bewohner besitzen. Wir können daraus entnehmen, daß am Ende des Mittel alters das Kloster Möllenbeck, die Grafen zur Lippe, die Ritter von Kerßenbrok und die
Ritter de Wend (auch als Erben der von Callendorp und von Zerßen) hier Grundrechte besaßen. Die alten Broser Bauerngeschlechter Stock, Höfer, Saak, Rumbke und
Klemme haben hier sicher einst als freie Leute auf ihrem Erbe gesessen, doch als die vorstehenden Urkunden geschrieben wurden, hatten sie ihre Rechte größtenteils schon verloren.
Doch nicht kampflos haben die Broser Bauern ihre alten Freiheiten preisgegeben. Im
Jahre 1510, als Reineke de Wend das Amt Varenholz in Pfandbesitz bekommen hatte und anfing, die Lasten und Abgaben der Bauern höherzuschrauben, da ging im
Amte ein Aufstand los, die Kirchenglocken läuteten Sturm, und den Zehnthebern wurde Widerstand geleistet. In Brosen scheint es dabei zu heftigen Kämpfen
gekommen zu sein. Hans Klemme, Erbe und dann Besitzer von Nr. 7, der 1538/48 in langen und aufschlußreichen Klageschriften gegen Simon de Wend die alte Freiheit
seines Hofes verteidigte, schreibt davon, „dat sin vader Reineke de Wend . .. mynes vaders broder vam levende thom dodhe gebracht hefft und mynen vader ok dodtlich
vorwundt, dat myn vader dardurch ist sunth der tidt ein kranken man gepleven". Er beklagt sich, daß Simon de Wend „den Hoff tho Brokhusen jahrlichs je mer und mer beswert".
Hans Klemme hat durch sein mannhaftes Aufbegehren seiner und seiner Erben
persönliche Freiheit erhalten können, doch nicht die Lastenfreiheit des Hofes. Auch hat sich das alte Erbrecht der freien Güter, wo alle Kinder Anteil an dem Hofe hatten,
sehr zum Schaden für den Hof ausgewirkt. Sander Klemme, Besitzer von Nr. 6, nahm sich Land vom Erbhofe. Simon Klemme, Besitzer von Nr. 9, dem der vierte Teil des
Waldbesitzes zugefallen war, „understeith sich des ganßen holteß gleich offt solches ehme allene thobehorigh". Noch in späteren Zeiten bezogen Nolte Klemme am
Winterberge, Cord Klemme in Heidelbeck, Arend Klemme in Dalbke und Martin Saak zu Asendorf jährliche Kornrenten vom Stammhofe. Kein Wunder, daß dieser einstige
Freihof herunterkam und 1721 nur noch als Halbspännerhof angeschrieben wurde. Die anderen Höfe waren längst einem Herrn untertan geworden. Am besten waren
die alten Möllenbecker Klosterhöfe Nr. l und 4 dabei weggekommen die jährlich nur je 8 Tage Spanndienste in Heidelbeck zu leisten hatten, während die lippischen Höfe
Nr. 2, 3 und 6 je 89, die Halbspännerhöfe Nr. 5 und 9 je 45 Tage dienen mußten. Nr. 8 leistete 89 Handdienste.
Als einziger Broser Hof hatte Nr. 10 seine Personal- und Gutsfreiheit erhalten können.
Es gelang dem Besitzer Henrich Stock im Jahre 1552, sein Großköttergut von 60 Morgen dem Grafen Bernhard VIII. zur Lippe (1536-1563) als Lehen aufzutragen. Bei
jedem Wechsel des Lehnsherrn und des Hofbesitzers mußte hinfort an die Rentkammer in Detmold ein Goldgulden bezahlt werden. Auch war der Hofbesitzer in
Kriegszeiten zur Landfolge verpflichtet, von der er sich im Ernstfalle jedoch loskaufen konnte. Im übrigen hatte er es wohl doch leichter als die anderen Kolone. So leistete er jährlich nur 12 Handdienste.
Im Jahre 1563 waren in Brosen folgende 10 Kolonate:
Nr. l 1488-1871 Stock, dann Höfer.
Nr. 2 1467 bis jetzt: Hof er.
Nr. 3 1488 bis jetzt: Saak/Saaksmeier.
Nr. 4 1507-1940 Rumbke/Runksmeier, jetzt Fuchs.
Nr. 5 1507-1950 Meier/Johannmeier, jetzt Quisbrok.
Nr. 6 1507-1862 Klemme, dann aufgeteilt. Restkolonat: Johannmeier.
Nr. 7 1488-1935 Klemme, dann Blattgerste.
Nr. 8 1488 Vincke, 1507-1618 Krassepot, dann Böke, ab 1721 Finke.
Nr. 9 1507-1618 Simon Klemme, dann bis jetzt Simonsmeier.
Nr. 10 1507-1910 Stock/Stockhenrich, dann Meier.
(Quelle: Das Kirchspiel Hohenhausen von Wilhelm Süvern aus dem Jahr 1965)
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